Winterlager 20/21

Wie jedes Mal standen natürlich auch in diesem Winterlager wieder ein paar Veränderungen auf dem Arbeitszettel. Neben den Standardarbeiten, wie Öl- und Filterwechsel, Antifouling, Ausbesserungen, etc. gab es aber auch einige Arbeiten, die im letzten Winterlager nicht mehr geschafft wurden oder Änderungswünsche, die während der Saison aufkamen. Aber erst mal Mast legen, raus kranen, in die Halle fahren und abdecken.

Fertig für die Arbeiten

Zu den ersten Änderungswünschen auf der Liste gehörte die Toilette, welche ich leider zu hoch angebracht hatte. Bei einer Körpergröße von 1,85 m sollte man sich selbst nicht unbedingt als Maß nehmen. Also musste das angefertigte Podest aus Hartholz entfernt und die Toilette wieder etwas tiefer gelegt werden.

Toilette raus und Podest entfernt….
…und Schüssel wieder einbauen

Aber auch ein Kühlungsproblem stand auf der Liste. Die Maschine selbst befand sich bei allen Drehzahlen im grünen Bereich, aber der Auspuff wurde zu heiß. Ein auslitern des Durchflusses im äußeren Kühlkreislauf ergab eine Mindermenge von 2 Litern pro Minute bei Standgas. Mit zunehmender Drehzahl stieg dieser Wert natürlich entsprechend.

Am Steg hatte ich bereits alles gewechselt, was zu wechseln war. Ich hatte den Einlass mit Draht, Messer und Gewindestange auf Durchlässigkeit kontrolliert. Finden konnte ich nichts, trotzdem bestand das Problem weiterhin. Selbst den Abgasgegendruck habe ich geprüft, aber dieser lag mit 0,1 bar völlig im zulässigen Bereich.

Erst die Demontage des Wassereinlass im Winterlager brachte Licht in das Dunkel. Beim Einsetzen hatte sich Sika in das äußere Filtergehäuse gedrückt. Dort blockierte es etwa 1/3-tel der Einlassrippen und verengte den Durchflussbereich. Der Pfropfen saß zudem im hinteren Drittel. Beim Blick von oben durch den Einlass war er nicht zu sehen und auch die Gewindestange ging sauber an ihm vorbei. Bei der Kontrolle von unten durch den Ansaugkorb hindurch gingen Draht und Messer durch die Dichtmasse wie durch Butter und blieb somit ebenfalls unbemerkt.

Ein wenig zuviel mit großen Auswirkungen

Erst bei der Demontage im Winterlager kam der wahre Übertäter ans Licht. Auch der Propeller wurde verändert. Er hatte gut 1,5″ zuviel Steigung und musste zum Umdrücken demontiert werden.

Mit dem Eigenbau-Prop-Abzieher kein Problem

Innen sollte ebenfalls etwas geschehen. Die fast 50 Jahre alten Rückenlehnen mussten gewechselt werden. Es war mit Kunstleder überzogener und auf Biegesperrholz fest getackerter Schaumstoff – typischer 70er Jahre Chic. Eigentlich wollte ich nur das Kunstleder durch modernen Bezugsstoff austauschen. Aber nach der Demontage kam jahrzehntelanger Siff zum Vorschein. Das passiert, wenn Voreigner nichts gegen leckende Fenster unternehmen und einfach alles nur vergammeln lassen.

Schwarzschimmel durch Untätigkeit

Das Biegesperrholz war nicht mehr zu retten, genauso wenig wie der Schaumstoff – alles ein Fall für den Sondermüll. Aber durch was ersetzen? Insbesondere die Biegungen der Sitzecke sind ja nicht ohne. Aber auch dafür gibt es eine Lösung: Breites Klettband.

Die Befestigung wurde durch eine Klettvariante ersetzt

Und die neuen Polster sind ebenfalls fertig. Mit Klett-Rückseite und Reißverschluss, also abnehm- und waschbar.

Frisch aus der heimischen Werkstatt

Neue Winschen waren genauso fällig. Die alten waren zwar noch brauchbar, jedoch viel zu klein und nicht selbst holend. Zum Kaffeesegeln mag das gehen, bei etwas mehr Wind jedoch nicht.

Jetzt zieren ein paar Neue die Plicht

Aber es gibt natürlich auch Dinge, die man nicht selbst machen kann – ich zumindest kann es nicht. Dazu gehören Dinge, wie die Überarbeitung der Sprayhood (alle Nähte neu und neue Fenster)

Endlich wieder Sicht nach vorn

oder ein neues Vorsegel (bin schon sehr gespannt).

Und es gab etliche Arbeiten, die hier gar nicht aufgeführt sind, wie z.B. Einbau einer Motortemperaturanzeige, die Installation einer neuen Antenne, der Einbau von zusätzlichen Klampen für Springleinen, Einbau von Reffhaken, etc. – mithin alles Dinge, die eben so anfallen.

Der Umbau

zog sich über zweieinhalb Jahre hin. Anhand der Bilder wird sicher schnell deutlich, warum.

Corona Törns

Das Jahr 2020 war ein verrücktes Jahr. Erst durften wir nicht rein kranen, dann waren viele Häfen lange Zeit dicht und die Inseln gesperrt. Wir machten das beste draus und verbrachten viel Zeit im Watt.

Ziehen ganz gut
Wattpuckel getroffen
Fast Vollmond im Watt
Morgendämmerung
Sonnenuntergang
Klar bei Ankerlicht
Manchmal wurde es sogar richtig heiß
Am Prielrand
Gerade fest
Tide lief komisch
Propellerwechsel
Harter Sand
Wasser ist weit weg
Manche schwimmen lieber

Auch hier gab es allerdings Opfer und Verluste:

Die Werft

Gebaut wurden die Snapdragons von der englichen Werft Thames Marine. Sie begann mit dem Schiffbau im Jahr 1962. 1965 siedelte die Firma nach Canvey Island in der Grafschaft Essex.

Gegründet wurde Thames Marine von Ray Walsh und Len Wakefield als Thames Structural Plastics, ursprünglich zum Bau von Glasfaserkomponenten für eine Reihe von Branchen.

Der Schwerpunkt lag jedoch schon früh auf der Herstellung von Booten. Thames Marine wurde der Name für den Verkauf eigener Modelle. Die erste Segelyacht war die 23 ‚SNAPDRAGON (1962). Efolgten zahlreiche weitere Modelle:

SNAPDRAGON 2323.00 ft / 7.01 m1962
SNAPDRAGON 2424.50 ft / 7.47 m1962
DIAMOND 2727.00 ft / 8.23 m1963
SNAPDRAGON 67022.00 ft / 6.71 m1963
SNAPDRAGON 74724.50 ft / 7.47 m1964
SNAPDRAGON 2626.00 ft / 7.92 m1966
THOMPSON 2424.00 ft / 7.32 m1968
SNAPDRAGON 2121.00 ft / 6.40 m1970
SNAPDRAGON 60019.67 ft / 6.00 m1970
SNAPDRAGON 2929.00 ft / 8.84 m1971
SNAPDRAGON 89029.00 ft / 8.84 m1971
MIRAGE 37 (FELTHAM)36.17 ft / 11.02 m1974
SNAPDRAGON 27 MK II27.18 ft / 8.28 m1974
INVADER 2222.00 ft / 6.71 m1975
MIRAGE 28 (FELTHAM)28.33 ft / 8.63 m1977
ROBBER 3E24.75 ft / 7.54 m1977
MIRAGE 2700 (UK)25.42 ft / 7.75 m1979
MIRAGE 29 (UK)28.83 ft / 8.79 m1983

Es gab auch eine Niederlassung, die Motorboote und eine andere, die eine Katamaranlinie baute.

Die Thames Marine Werft ging in den 1980er Jahren beim großten Werftensterben pleite.

Maße Snapdragon 29 / 890

Die Snapdragon 29 und 890 haben einen identischen Rumpf. Sie unterscheiden sich lediglich durch die Mastlänge.

Rumpf

Länge 8,84 m Verdrängung 3.402 kg
Wasserlinie 7,32 m Ballast 1.361 kg
Kiel bis Mastfuß 2,93 m Tonnage 9 t
Tiefgang 1,01 m Stehhöhe 1,86 m

Segel 29

Segel Vorliek Achterliek Unterliek Stärke qm
Groß 8,71 m 8,96 m 3,53 m 8 oz 16,72 qm
Fock 7,89 m 7,19 m 3,04 m 8 oz 11,14 qm
Genua 1 9,63 m 9,81 m 5,57 m 7 oz 24,15 qm
Genua 2 9,05 m 8,68 m 4,26 m 7 oz 18,20 qm
Sturmfock 5,33 m 4,26 m 2,13 m 8 oz 4,27 qm

Segel 890

Segel Vorliek Achterliek Unterliek Stärke qm
Groß 9,32 m 3,53 m 8 oz 17,83 qm
Fock 7,49 m 6,88 m 3,53 m 8 oz 11,61 qm
Genua 1 10,36 m 10,24 m 4,87 m 7 oz 24,15 qm
Genua 2 8,83 m 8,22 m 4,26 m 7 oz 17,18 qm
Sturmfock 5,36 m 4,25 m 2,07 m 8 oz 4,27 qm
Spinnaker 10,66 m 5,57 m 1,6 oz 46,45 qm

Rigg

Stehendes Gut 29 890
Vorstag 10,08 m 10,92 m
Achterstag 11,00 m 11,82 m
Oberwanten 10,05 m 10,62 m
Vordere Unterwanten 5,41 m 5,54 m
Achtere Unterwanten 5,21 m 5,65 m
Stärke 1 x 19 s/s, 6,35 mm
Laufendes Gut 29 890
Großfall 19,50 m 20,75 m
Fockfall 19,50 m 20,75 m
Großschot 17,70 m 17,70 m
Fockschot 17,70 m 17,70 m
Genuaschot 24,00 m 24,00 m
Sturmfock-Schot 18,30 m 18,30 m
Spinnakerfall 19,50 m 20,75 m
Spinnakerschot 12,20 m 12,20 m
Spinnaker Niederholer 8,85 m 8,85 m
Dirk 18,90 m 18,90 m
Baumniederholer 1,85 m 1,85 m

Ein „neues“ Boot

Die Stiekum war in ihrem Vorleben unter einem anderen Namen sehr lange in Dangast beheimatet.  Im Mai 2017 haben wir sie übernommen und wollten sie zwischen Himmelfahrt und Pfingsten ganz sachte von Dangast nach Greetsiel überführen.

Leider kam es ganz anders. Die Maschine war alt, aber nach Aussagen der Voreigner „stets gut gewartet und immer zuverlässig“. Auch sonst hätte es „nie Probleme gegeben“. Weder Leckagen noch technische Probleme.

Da die Voreigner „gesundheitsbedingt“ nicht anwesend sein konnten, brachten wir das Boot zum Sammel-Krantermin am 6. Mai in seinem Heimatverein zu Wasser und stellten ebenfalls mit Hilfe des Vereins den Mast. Von Dangast aus sollte es zur weiteren Ausrüstung ins 16 sm entfernte Hooksiel gehen.

Für die kommenden 6 sm war alles gut. Nun, nicht gerade gut. Aber wir sind keine streitlustigen Menschen und hatten mit der einen oder anderen Reparatur gerechnet. Mit einem Totalausfall jedoch nicht.

Wir könnten jetzt hier das ganze Drama von falschen Zusagen, nicht eingehaltenen Versprechungen bis hin zu dreisten Lügen erörtern, aber wir kürzen das mal ab.

Das Ende vom Lied war eine Maschine mit Totalschaden und ein defektes Rigg. Von den anderen 36 Ausfällen mal ganz zu schweigen. Das einzige was wirklich funktionierte war die Handlenzpumpe. Und die war auch dringend nötig!

Nachdem die Verkäufer auf Tauchstation gegangen waren, war guter Rat teuer. Genauso teuer, wie die Liegegebühren bis zum Auslaufen, die eigentlich die Verkäufer übernehmen wollten. Auf diesen Kosten blieben wir jedoch genauso sitzen, wie auf allen anderen auch.

Es blieb uns letztlich nichts weiter übrig, als das Boot mit einer Aussenborderhalterung zu versehen und nach einem kurzen Hoppel über die Jade einen sehr langsamen Törn über die Kanäle Richtung Emden zu starten.

Damit war die Saison 2017 für uns gelaufen.

Angesichts der vielfältigen Schäden aufgrund von jahrelanger Vernachlässigung, mangelnder Wartung, schlampig-fahrlässigen „Reparaturen“ und jeder weiterer Menge entdecktem Murks wurde uns klar, das damit auch die Saison 2018 und vermutlich auch die Saison 2019 gelaufen war.

Nach anwaltlicher Beratung, in der von guten Ausichten für uns, aber auch von einem entsprechenden Risiko die Rede war und nach dem Hinweis auf die Dauer entsprechender Verfahren und der eingeschränkten Lebenserwartung der Voreigner, entschlossen wir uns zur Schonung unserer mittlerweile sehr angegriffenen Nerven auf einen Prozess zu verzichten. Sollen die Verkäufer mit ihrem schlechtem Karma in der Hölle schmorren und endgültig aus unserem Leben verschwinden. 

Wir begannen also mit dem Abwracken und entdeckten immer mehr Schäden. So gesehen war unsere Haverie auch unser Glück, denn draussen hatte das Boot in dem Zustand schon seit unzähligen Jahren nichts mehr zu suchen.

Ausgetauscht werden mussten letztlich:

  • die gesamte Maschine, inklusive Getriebe, Welle und Propeller
  • sämtliche Bowdenzüge, inklusive der Schaltung
  • der gesamte Kühlwassereinlass inklusive Filter
  • der Tank, inklusive aller Leitungen, Filter und Wasserabscheider
  • die gesamte Abgasanlage
  • die gesamte Elektrik
  • alle Seeventile und einige Borddurchlässe
  • sämtliche Navigationsgeräte
  • sämtliche Navigationsbeleuchtung
  • das Funkgerät
  • die Seefunkantenne, inklusive aller Zuleitungen
  • das Radio
  • sämtliche Kajütfenster
  • die Genua und das Großsegel
  • das See-WC
  • die Relingsdrähte
  • der Herd

Repariert werden musste:

  • die Rollreffanlage
  • der Plichtboden
  • die Heizung
  • die Niedergangstüren
  • die Vorschiffsluke
  • die gesamte Innenverkleidung im Vorschiff
  • die Innenverkleidung der Hundekoje
  • der Ankerkasten
  • die Heckleiter
  • der Bugkorb
  • Rumpf- und Decksfarbe
  • die Sprayhood
  • der Trailer

Alles in allem „etwas“ viel für ein Boot, dass von den Voreigner beim Verkauf folgendermaßen beworben wurde:

Bj. 89, Länge 9 m, Breite 3 m, Tiefgang 1 m, Dieselmotor \“ALBIN\“ 18 PS (gute Zugkraft), 5-6 Schlafplätze, Bad mit Dusche, Kleiderschrank, 8 große Backskisten, Kamin, Pantry mit Backofen und 2 Spirituskochern von Tayler, GPS, Fischfinder, Funkgerät, Radio, Rollfock (HAASE) ca. 18 qm, Großsegel, Sprayhood, Seereling mit Bug und Heckkorb, Badeleiter, Anker mit Kette, Hafentrailer, komplett segelfertig mit viel Zubehör. Idealer sicherer Segler!